4. Teil: Entwicklung von Digitalisierungsszenarien

4. Teil: Entwicklung von Digitalisierungsszenarien

Dieser Beitrag erklärt, wie Sie aus den zuvor recherchierten Pilotanwendungen Digitalisierungsszenarien ableiten können, die über den Stand der Technik hinausgehen. Dies wird am Beispiel des Geschäftsmodells „Digitaler Glascontainer“ illustriert. Es ist der vierte Beitrag der Blog-Reihe Entwicklung von Digitalisierungsszenarien am Beispiel der Geschäftsmodell-Idee „Digitaler Glascontainer“.

Inhalte des Beitrags

  • Hintergrund
  • Möglichkeiten der Erweiterung bestehender Modelle
  • Digitalisierungsszenario 3: Sensorik am LKW
  • Digitalisierungsszenarien 4 und 5: IT zur genaueren Gewichtserfassung
  • Übertragung der Erkenntnisse auf das Geschäftsmodell
  • Ausblick

Hintergrund

Die Erstellung von Digitalisierungsszenarien bildet die Brücke zwischen der ausgearbeiteten Idee des neuen hybriden Geschäftsmodells und den ersten Schritten zur Implementierung des Geschäftsmodells. Die Szenarien skizzieren dabei unterschiedliche Ausbaustufen des Geschäftsmodells und legen die jeweiligen Strukturen offen. Weitere Informationen zum Vorgehen enthält die Einführung.

In diesem Beitrag wird das dritte, vierte und fünfte Digitalisierungsszenario vorgestellt. Dabei werden basierend auf existierenden Pilotanwendungen (siehe vorheriger Beitrag) Möglichkeiten für weiterführende digitale Funktionen erdacht. Diese Ergebnisse werden in Relation zur Geschäftsmodell-Idee gesetzt.

Möglichkeiten der Erweiterung bestehender Modelle im Kontext des Projektes AnGeWaNt

Im Forschungsprojekt AnGeWaNt ist es das Anliegen, deutlich über bisher realisierte Anwendungen hinaus zu denken und die Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet, unter den Vorzeichen der jeweiligen Unternehmensprodukte, entwickelten Geschäftsmodelle und ergänzt um eine hoheitliche Betrachtung zu beschreiben und exemplarisch umzusetzen. Daher werden im Folgenden nun mehrere Szenarien beschrieben, die in unterschiedlicher Abstufung Digitalisierungsaspekte und firmenspezifische Produkte innerhalb des Beispiels „Glascontainer“ miteinander kombinieren.

Ausgehend von der Überlegung, dass eine bedarfsgerechte Containerentleerung mit Standortkenntnis ein optimales Routing (d. h. eine möglichst effiziente Fahrstrecke) ermöglicht, stellt sich die Frage, welche Faktoren dieses Modell einschränken oder ggf. optimieren können.

Digitalisierungsszenario 3: Sensorik am LKW

In Abbildung 3 (Teil 4) ist hier exemplarisch dargestellt, dass sich das bestehende Modell im Pilotbereich (vgl. Abbildung 2 (Teil 3)) dadurch noch optimieren lässt, dass zusätzlich die Transportkapazität des jeweiligen Fahrzeugs (die bislang keine Berücksichtigung fand) mit beachtet wird. Wir rücken hier also etwas ab von der ausschließlichen Prämisse „volle Container“, sondern kombinieren den Faktor nun mit der möglichen Restkapazität des Abfuhrfahrzeugs.

Abbildung 3 (Teil 4), Quelle: ifaa, eigene Darstellung

Ziel ist es demnach, am Ende der Route möglichst viele volle Container entleert zu haben, aber gleichzeitig auch einen optimal (vollen) Füllstand des Abfuhrfahrzeugs erreicht zu haben. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass die „Kapazitätsberechnung“ des Abfuhrfahrzeugs hier – da in analoger Form vorgenommen – noch relativ grobe Werte liefert und ständig durch Erfahrungswissen auf Realisierung hin überprüft werden muss.

Digitalisierungsszenarien 4 und 5: IT zur genaueren Gewichtserfassung

Um diese groben Werte, gekoppelt mit dem Erfahrungswissen von Fachkräften wesentlich genauer zu erhalten und somit wesentlich effizientere und effektivere Ergebnisse zu erzielen, bieten sich zwei weitere Szenarien an (dargestellt in den beiden folgenden Abbildungen).

In der ersten Variante (Abbildung 4 (Teil 4)) geht es um die Kombination aus Füllstand (und Ort) des Containers, Menge und Gewicht des abzutransportierenden Materials, sowie der Routenberechnung nach Kapazität des Abfuhrfahrzeugs. Besonders interessant im Hinblick auf die Nutzung von Digitalisierungspotenzialen ist hier die Vorstellung, die jeweiligen Füllstände der Container in Echtzeit auch in der Gewichtseinheit zur Verfügung zu haben, um je nach Anforderung (Volumen oder Gewicht) die optimale Ausnutzung der Ladekapazität der abfahrenden LKW auszunutzen.

Abbildung 4 (Teil 4), Quelle: ifaa, eigene Darstellung

In der zweiten Variante (Abbildung 5 (Teil 4)) spielen die Produkte der beiden betrieblichen Projektpartner Kinshofer GmbH und PFREUNDT GmbH eine besondere Rolle. Die Firma Kinshofer liefert in diesem Szenario ein Container-Entleergerät, welches mit einer Kranwaage der Firma PFREUNDT gekoppelt ist. In dieser Konstellation besteht die Möglichkeit – in deutlicher Abgrenzung zu der vorher beschriebenen Variante in Abbildung 4 (Teil 4) – eine direkte Gewichtsmessung bei der Containerleerung durchzuführen und hier keine Umrechnungen mehr auf Basis des Volumens vornehmen zu müssen. Eine wesentlich genauere Erfassung der Gewichte ist somit möglich.

Abbildung 5 (Teil 4), Quelle: ifaa, eigene Darstellung

Übertragung der Erkenntnisse auf das Geschäftsmodell

Das Modell in Abbildung 5 (Teil 4) kann als Ausgangspunkt für viele andere Betrachtungsweisen gewählt werden, in denen eine genauere Gewichtsermittlung (natürlich auch jenseits des Themas Entsorgung) eine Rolle spielt. Insbesondere bietet es sich hier mittels Abstraktion und Analogiebildung an, weitere Anwendungsfälle zu „konstruieren“ oder zu generieren, in denen bislang ein Transport und das Wiegen von Waren und Gütern in mobilen Anwendungen relativ ungenau im Rahmen einer Volumen / Gewichtsumrechnung erfolgte, eine genauere Gewichtsermittlung aber für mögliche Parameter wie Abrechnung (Preis), Sicherheit oder Effizienz in der Logistik eine große Rolle spielen könnte (Straßenbau, Entsorgung loser Materialien jenseits von Containern etc.).

Diesen Schritt wird das ifaa mit jedem Projektpartner durchführen, um eine möglichst breit aufgestellte Palette möglicher Anwendungsszenarien zu erhalten, die dieses Grundmodell zum Ausgang haben.

Ausblick

Im nächsten Beitrag werden Digitalisierungsszenarien beschrieben, in denen mit Hilfe geeichter Waagen ein genaueres Gewicht ermittelt wird. Er wird in Kürze veröffentlicht.

Zum fünften Beitrag

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