Kompetenzen

Kompetenzen für hybride Geschäftsmodelle definieren und erfolgreich entwickeln

Ausgangspunkt

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Etablierung neuer datengetriebener Geschäftsmodelle stellen passende Kompetenzen in der Belegschaft dar. Es müssen die Anforderungen ermittelt werden, die das neue Geschäftsmodell hinsichtlich der Qualifizierung der Beschäftigten beinhaltet, und entsprechende Schulungsmaßnahmen eingeführt werden. Hierzu wird im Forschungsprojekt AnGeWaNt ein Methodenbaukasten entwickelt.








Zentrale Fragestellungen:

  • Welche Veränderungen und Kompetenzbedarfe werden sich in den verschiedenen Arbeitsbereichen durch das neue hybride Geschäftsmodell ergeben?
  • Welche Arbeitsbereiche sind besonders relevant für die erfolgreiche Einführung des neuen hybriden Geschäftsmodells?
  • Welche Handlungsfelder ergeben sich in der Qualifizierung durch die Implementierung eines neuen digitalen Geschäftsmodells?
  • Wie und mit welchen Lernkonzepten können die Beschäftigten auf die neuen Aufgaben vorbereitet werden?
  • Welche Möglichkeiten bietet eine betriebsübergreifende Zusammenarbeit im Wertschöpfungsnetzwerk für die bedarfsgerechte Kompetenzentwicklung für Hybridisierung?

Pilotanwendung

Die Anwenderbetriebe stellten bereits während der Geschäftsmodellentwicklung fest, dass sich die Kompetenzbedarfe der Mitarbeitenden erweitern, wenn sie zukünftig neben Investitionsgütern wie Nutzfahrzeuge, geeichte Waagen oder Anbauteile für Nutzfahrzeuge dem Kunden auch digitale Dienstleistungen bspw. in Form von Produktnutzungsdaten anbieten.

Insbesondere Kompetenzen aus dem Bereich der Datenwissenschaften (Programmierung und Datenanalyse) und zum Aufbau von erweiterten, vernetzten IT-Infrastrukturen sowie juristisches Wissen bspw. im Hinblick auf Datensicherheit und Datenschutz wurden als wesentlich identifiziert.

Methodik

Im Projekt wurde ein vierstufiger Ansatz entwickelt, der die Kompetenzentwicklung in den Betrieben gezielt unterstützt:

  1. Analysephase
  2. Konzeptionsphase
  3. Umsetzungsphase
  4. Evaluationsphase und Einleitung der Optimierung

In jeder Phase werden verschiedene Methoden und Instrumente erprobt. Diese werden im Rahmen des Projekts als Methodenbaukasten veröffentlicht, um anderen Betrieben als Good-Practice Beispiele zu dienen.


Vorgehen zur Ermittlung und zum Aufbau der neuen Kompetenzen

Die folgende Abbildung zeigt die vier Phasen zur Kompetenzentwicklung für hybride Geschäftsmodelle:

Abbildung 1: Vier Phasen zur Kompetenzentwicklung für hybride Geschäftsmodelle im Projekt AnGeWaNt (Ottersböck N (2020) Kompetenzentwicklung für hybride Geschäftsmodelle. In: Jeske T, Ottersböck N, Hartmann V, Frost M (2020) Arbeitswissenschaftliche Gestaltung hybrider Wertschöpfung. ifaa (Hrsg) Leistung & Entgelt 4:27-36)


1. Analysephase

In dieser Phase werden die zukünftigen Kompetenzbedarfen identifiziert. Es wird untersucht, welche Veränderungen das neue digitale Geschäftsmodell hervorruft und welche Arbeitsbereiche von den Veränderungen betroffen sind. Auf dieser Basis werden die neuen Anforderungen definiert und zukünftige Kompetenzprofile erstellt. Das Vorgehen gliedert sich in vier Teilschritte, die aufeinander aufbauen:

  • Workshop zur Identifikation von Veränderungen durch die neuen Geschäftsmodelle
  • Kompetenzcheck für Digitalisierung und hybride Geschäftsmodelle
  • Identifikation von Handlungsbedarfen zur Etablierung hybrider Geschäftsmodelle
  • Anforderungserhebung zur Erstellung zukünftiger Kompetenzprofile

2. Konzeptionsphase

In der zweiten Phase werden passgenaue Lernkonzepte für die Arbeit in hybriden Wertschöpfungsnetzwerken entwickelt, die auf den zuvor gewonnenen Analyseergebnissen aufbauen. Dabei ist es wichtig, die individuellen Bedarfe und Voraussetzungen in den Betrieben zu berücksichtigen.

3. Umsetzungsphase

Die dritte Phase umfasst die Anwendung konzipierter Lernformate im Unternehmen. Die in der Konzeptionsphase entwickelten bedarfsgerechten Lernkonzepte, werden in der Umsetzungsphase in den ausgewählten Pilotbereichen getestet.

4. Evaluationsphase und Einleitung der Optimierung

In der abschließenden Phase wird der Lernerfolg getestet und das Vorgehen evaluiert. Die Ergebnisse dienen der Nachjustierung der erstellten Lernkonzepte. Zudem können sie zur Erstellung zukünftiger Kompetenzprofile genutzt werden.


Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird im Rahmen des Programms „Zukunft der Arbeit“ (Förderkennzeichen: 02L17B055) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autoren.