2. Teil: Entwicklung von Digitalisierungsszenarien

2. Teil: Entwicklung von Digitalisierungsszenarien

Wie Sie Ihre Idee für ein digitales Geschäftsmodell in Relation zur Ausgangslage setzen, lesen Sie in diesem Beitrag. Anhand des Beispiels „Digitaler Glascontainer“ wird aufgezeigt, wie der Status Quo abgebildet und Schlüsse daraus gezogen werden können. Der Artikel ist der zweite Beitrag der Blog-Reihe Entwicklung von Digitalisierungsszenarien am Beispiel der Geschäftsmodell-Idee „Digitaler Glascontainer“.

Inhalte des Beitrags

  • Hintergrund
  • Ausgangslage und Status Quo – Beispiele in Karlsruhe und Stuttgart
  • Schlussfolgerungen auf den Status Quo
  • Übertragung der Erkenntnisse auf das Geschäftsmodell
  • Ausblick

Hintergrund

Die Erstellung von Digitalisierungsszenarien bildet die Brücke zwischen der ausgearbeiteten Idee des neuen hybriden Geschäftsmodells und den ersten Schritten zur Implementierung des Geschäftsmodells. Die Szenarien skizzieren dabei unterschiedliche Ausbaustufen des Geschäftsmodells und legen die jeweiligen Strukturen offen. Weitere Informationen zum Vorgehen enthält die Einführung.

In diesem Beitrag wird das erste Digitalisierungsszenario – nämlich der Status Quo – ausgearbeitet. Dazu wird die Ausgangslage der kommunalen Glascontainerentleerung analysiert.

Ausgangslage und Status Quo – Beispiele in Karlsruhe und Stuttgart

Zu wenig, zu voll, zu laut – seit einem Monat gibt es Probleme mit dem Altglas in Karlsruhe. Nach einem Wechsel der Abholfirma läuft es mit den neuen Containern überhaupt nicht rund. Mittlerweile hat sich die Stadt eingeschaltet – allein bei ihr landeten bislang über 250 Beschwerden (ka-news 2018).

Die Altglassammlung und -verwertung in der Stadt Karlsruhe wurde zum Jahreswechsel 2018 neu ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt ein Entsorger aus Wiesbaden, der bislang nicht für die Sammlung und Verwertung in Karlsruhe zuständig war. Der ehemalige Entsorger ist nun nicht mehr für das Karlsruher Gebiet zuständig. Eine Übernahme der Container konnte zwischen dem alten und dem neuen Entsorger nicht realisiert werden, daher hatte dies zur Folge, dass neue Container aufgestellt werden mussten. Das führte gerade zum Jahreswechsel zu erheblichen Problemen, denn einerseits standen an den bisherigen Stellen der Glascontainer entweder keine oder eine wesentlich größere Anzahl von Behältern zur Verfügung, der reibungslose Übergang hatte also nicht funktioniert. Grund dafür ist, dass die Behälterstandorte in der Regel nur den Altglasentsorgern bekannt sind und nicht der Kommune.

Deutlich anders und servicefreundlicher organisiert und dokumentiert sind die Behälterstandorte beispielsweise in der Stadt Marburg. Dort können Bürgerinnen und Bürger die Standorte der Glascontainer im Stadtgebiet bequem auf einer Navigationslandkarte mit entsprechender postalischer Adresse einsehen, um den nächstgelegenen Behälterstandort zu finden.

Schlussfolgerungen auf den Status Quo

Die Schilderung zeigt, dass neben der Betrachtung der Behälterstandorte bei der „klassischen“ Glascontainerleerung noch zwei weitere Parameter von Bedeutung sind, nämlich die Abfuhr (Route und Zeitpunkte) und der Füllstand der Container. Aktuell ist davon auszugehen, dass auf Basis des Erfahrungswissens des Entsorgers (ggf. berechnet durch Einwohnerzahlen im Einzugsgebiet) hier adäquate Entsorgungsrouten geplant werden, die allerdings „fest“ sind, d.h. es wird nach einem Zeit- und Fahrplanplan entsorgt und nicht auf Basis von Bedarf und Füllständen.

Übertragung der Erkenntnisse auf das Geschäftsmodell

Die Beispiele der Städte zeigen, dass Bedarf besteht, den Prozess der Glascontainerentleerung zu verbessern. Auch wenn die Entsorgung von Kommune zu Kommune unterschiedlich gehandhabt wird, gibt es deutliche Hinweise darauf, dass die Digitalisierung hier noch am Anfang steht und noch keine flächendeckenden Lösungen im Einsatz sind.

Im Projekt AnGeWaNt wurde vor der Analyse der Digitalisierungsszenaren eine grafische Darstellung erstellt, die die verschiedenen Ausbaustufen des Geschäftsmodells abbildet. Die Erkenntnisse der Analyse konnten so nach jedem Schritt in dieser Abbildung festgehalten werden. Eine solche grafische Ausarbeitung muss jedoch nicht vorliegen, um die Analyse durchzuführen. Unternehmen können mit der Marktanalyse zu ihrer Geschäftsmodell-Idee starten und die Ergebnisse nach und nach in die Abbildung eintragen. Somit würde schrittweise ein eigenes Bildmodell entstehen, das sich immer weiter der höchsten Digitalisierungsvariante annähert. Dieses kann grafisch auch ganz schlicht gehalten werden.

Abbildung 1 (Teil 2) zeigt den Status Quo der Glascontainerentleerung mit den Parametern Standort, Erfahrungswissen und Abfuhr. Funktionen, die es in diesem Zustand noch nicht gibt, wurden mit blauen Kreuzen gekennzeichnet.

Abbildung 1 (Teil 2), Quelle: ifaa, eigene Darstellung

 

Ausblick

Der nächste Beitrag wird Pilotanwendungen zur Digitalisierung der Glascontainerentleerung vorstellen, die aktuell in der Anwendung sind bzw. sich in der Planung befinden. Die Erkenntnisse werden in das Bildmodell übertragen.

Zum dritten Beitrag

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