Digitalisierung im Mittelstand. Von der eigenen Digitalisierungsidee zur automatisierten Zusammenarbeit über Firmengrenzen hinweg

Digitalisierung im Mittelstand. Von der eigenen Digitalisierungsidee zur automatisierten Zusammenarbeit über Firmengrenzen hinweg

Lesen Sie hier einen Diskussionbeitrag von unserem Kollegen Veit Hartmann vom AnGeWaNt Projektpartner ifaa.

Kleine und mittlere Unternehmen agieren im Rahmen der wirtschaftlichen Tätigkeiten nicht im „luftleeren Raum“, sondern sind über ein weitverzweigtes Netz von Zuliefer-, Kunden, -und sonstigen Beziehungen und Abhängigkeiten in die wirtschaftlichen Abläufe eingebunden. Dabei ist von Bedeutung, dass KMU in der Regel nicht „Taktgeber“ im wirtschaftlichen „Konzert“ darstellen, sondern sich an den Vorgaben der jeweiligen Großindustrie und deren Standards orientieren. Hingewiesen sei an dieser Stelle exemplarisch auf die Diffusion diverser Normen und Berichterstattungspflichten (z. B. DIN ISO 9001 ff) bis in kleinste Betriebe. Bei den meisten KMU können wir davon ausgehen, dass Investitionen entweder der eigenen Effizienz oder aber der Anpassung an Marktanforderungen (hier stellvertretend durch die Anforderungen der jeweiligen Marktakteure) geschuldet sind. Die These lautet daher, dass KMU dort in Digitalisierung, Aspekte von Industrie 4.0 und neue digitale Geschäftsmodelle investieren, wo die Anforderungen und „Spielregeln“ klar sind und wo die Entscheider auf Basis belastbarer Zahlen, Fakten und Anforderungen die jeweiligen Kosten und Risiken quantifizieren können. Dazu kommen im Hinblick auf die Risiken (neben den Investitionskosten im Mittelstand) wesentliche Bedenken und Vorbehalte, die sich um die Themen Datensicherheit und Haftung drehen (Zimmermann 2016). Ich unterstreiche hier eindeutig die von Zimmermann vertretene These, dass der Abbau von Hemmnissen alleine nicht ausreichen wird, um einen Digitalisierungsschub im Mittelstand auszulösen, sondern es darauf ankommt, die realen Potenziale im Betrieb (z. B. Verringerung Ausschuss oder Energieverbrauch) herauszustellen.

Über den betrieblichen Rand hinaus wird es wichtig sein, die o. g. Entwicklungen der Wertschöpfung mit den konkreten (technischen und organisatorischen) Anforderungen des wirtschaftlichen Umfeldes abzugleichen und dann zu Investitions- und Folgeentscheidungen zu kommen. Dabei geht es nicht nur um die zunehmende Digitalisierung aller Geschäftsprozesse, sondern auch um die betriebs- und branchenübergreifende Vernetzung von Unternehmen zu neuen Wertschöpfungsnetzwerken. Diese betriebs- und branchenübergreifende Vernetzung ist allerdings für die Mehrzahl der KMU bisher weder Thema, noch auf einer technischen Ebene bislang als konkrete Anforderung definiert, auf die eine Reaktion im und durch den Betrieb erfolgen würde. Lesenswert hierzu ist der Beitrag von Georg Stawony, Vorstand der Lapp Holding AG für Technik und Innovation mit dem Titel „Von der Smart Factory zur Smart Sypply Chain” (Link) .

Eine bisher im Rahmen der allgemeinen Diskussion noch nicht so verbreitete Zusammenführung der beiden Themen „Wertschöpfung“ und „Digitalisierung“ findet sich in den Handlungsempfehlungen der Arbeitsgruppe 4 „Wertschöpfungsstrukturen der Zukunft“ des Bündnisses Zukunft der Industrie zu Digitalisierung und Innovation. Dort löst man sich in Abgrenzung zum fokussierten Blick anderer Initiativen von einem engen Verständnis zu Digitalisierung und Industrie 4.0. Man nimmt dort „eine breitere Perspektive ein und adressiert gesellschaftliche und industriepolitische Aspekte von Wertschöpfungsstrukturen der Zukunft. Dabei stehen Innovationen wie die Digitalisierung und intelligente Vernetzung im Fokus der Arbeit.“ (Arbeitsgruppe 4 des Bündnis Zukunft der Industrie „Wertschöpfungsstrukturen der Zukunft“ 2016: 1). Es ist daher, und das spiegeln auch Erfahrungen aus dem Projektkontext von „AnGeWaNt – Arbeit an geeichten Waagen für hybride Wiegeleistungen an Nutzfahrzeugen“ wider, schon eine Herausforderung die eigene, betriebsinterne Digitalisierungsstrategie zu finden. Zur echten Realisierung von digitalisierter Wertschöpfung reicht das in vielen Fällen jedoch kaum aus, sondern es erfordert eine Vernetzung (sowohl technisch als auch organisatorisch) über Betriebsgrenzen hinaus.

Literatur
Arbeitsgruppe 4 des Bündnis Zukunft der Industrie „Wertschöpfungsstrukturen der Zukunft“ (2016). Handlungsempfehlungen der AG 4 „Wertschöpfungsstrukturen der Zukunft“ des Bündnisses Zukunft der Industrie zu Digitalisierung und Innovation. http://netzwerk-zukunft-industrie.de/wp-content/uploads/2017/01/AG4_Innovati-on-und-Digitalisierung.pdf

Zimmermann, V. (2016). Digitalisierung im Mittelstand: Status Quo, aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen. KfW Research Fokus Volkswirtschaft Nr. 138.

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